Rajasthan - Nordindien
Bikaner
Der erste Ausflug des Tages führt uns zum weltweit einzigen Tempel, an dem Ratten verehrt werden. Ratten werden auch in Indien als Plage empfunden und bekämpft. Einzig in diesem Tempel werden die Tiere verehrt und versorgt. Grundlage dafür ist eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt. Wie in allen Tempeln werden auch hier die Schuhe ausgezogen, wer möchte, erhält leichte Überzieher aus Jute für die Füße. Diese schützen sowohl vor verstreutem Futter als auch vor den Ratten selbst und deren Hinterlassenschaften. Eva verzichtet auf den Tempelbesuch und Bernd stellt fest, dass die Tiere ungepflegt und zerzaust sind. Vielleicht führt der Wohlstand dieses Rattenvolkes auch zu dessen Verfall. Zurück in Bikaner besuchen wir eine kleine Schule für Miniaturmaler. Der Meister hat mit der Darstellung eines Miniaturlebensbaums mit tausenden von Blättern einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde geschafft. Nun ist es Zeit, das Junagarh-Fort im Zentrum der Stadt Bikaner zu besichtigen. Damit tauchen wir ein in die Bewunderung der Architektur und Kunst der Prachtbauten aus der Moghulzeit im 16 Jahrhundert. Mächtige hohe Mauern umschließen die Innenhöfe und Palastgebäude. Wir erhalten Audioguides und lassen uns mit Erklärungen in deutscher Sprache durch die verschlungenen Wege des Palastes führen.
Jaisalmer
Wir fahren am Rande der Tharwüste entlang nach Kolayat, einem hinduistischen Wallfahrtsort an einem kleinen See. Eine Gruppe von Frauen nimmt angekleidet Platz auf den vom Wasser umspülten Treppenstufen, den sogenannten Ghats. Jede hat ein Krüglein zur Hand mit dem sie sich gegenseitig mit Wasser begießen. Die Frauen haben sichtbar Spaß an der Abkühlung. Zum Abschluss des Bades wird in graziösen Gesten das Wasser gesegnet. Bei der Weiterfahrt ins 300 km entfernte Jaiselmer passieren wir wenige kleinere Ortschaften, die Landschaft zeigt ockerfarbenen Sand und karge Bewachsung von blass grünen Gräsern und Dornengestrüpp. Eine Kamelherde überquert die Straße. Endlich zeigen sich am späten Nachmittag erste Zeugen der Zivilisation. Wir sehen Windräder eines modernen Windparks und Militäranlagen, immerhin befinden wir uns etwa 80 km entfernt von der Grenze zu Pakistan. Bei Sonnenuntergang treffen wir in unserem zentral gelegenen Hotel Mandir Palace ein. Vom Dach des Hotels blickt man auf Festungsmauern, die den Palast und die Altstadt umgeben.
Jodhpur
Auf dem Weg nach Jodhpur wird Sandstein in riesigen Steinbrüchen abgebaut. Überladene Lastwagen blockieren die schmale, schlechte Straße und fordern höchste Aufmerksamkeit aller Fahrer. Die Strecke ist eine Herausforderung für jede Bandscheibe im Bus. Die Luft ist voll von Staub und es ist höllisch laut. Nach dem Passieren der Baustellen sind wir in Mandore. Wir spazieren durch Mandore Gardens, eine vernachlässigte Parkanlage mit monumentalen Chhatris und einer Reihe von Statuen hinduistischer Götter. Neben den Besuchern beleben zahlreiche Affen den Park. Sie untersuchen den Verpackungsmüll nach Eßbarem. Am frühen Abend erreichen wir die Millionenstadt Jodhpur. In der Ferne sehen wir den neuen prächtigen Palast der Stadt. Im Vordergrund, auf spärlich bewachsenem, trockenen Wüstenboden leben Menschen in selbst errichteten Zelten aus Plastik und Pappe. Wir übernachten etwas außerhalb der Stadt im Hotel Shree Ram International, einem modernen Haus mit schönem Garten und Swimmingpool. Am nächsten Morgen beginnen wir unseren Ausflug in Jodhpur in der Nähe der Festung. In einem Park liegen idyllisch an einem Grundwassersee die Beisetzungsstätten der Herrscherfamilie Sing von 1899 bis in die heutige Zeit. Die Luft ist erfrischend kühl und wir genießen den Spaziergang durch die Anlage Jaswant Thada mit weißen Marmortempeln in absoluter Ruhe und Sauberkeit. Die Anhöhe bietet grandiose Ausblicke auf die Stadt und die gegenüberliegende, steil aufragende Festung Meherangar. Sie ist auf einem Felsen gebaut. Das gesamte Areal wird von der alten Stadtmauer mit ihren Wehranlagen begrenzt, die sehr gut erhalten oder restauriert ist. Die Festung wurde um 1500 vom Rajputenoberhaupt
Ranakpur - Udaipur
Wir starten die lange Fahrt von Jodphur nach Udaipur. Zur Vorbereitung auf den Besuch des Jaintempels von Ranakpur hören wir im Bus die Geschichte von den zeitgleichen Wurzeln des Buddhismus und des Jainismus in Indien. Jainas streben nach der spirituellen Reinheit der Seele. Oberstes Gebot ist die Gewaltlosigkeit gegenüber Menschen, Tieren und sogar Pflanzen. Sie leben spartanisch bis zur Askese und sind strenge Vegetarier. Ein weiterer Grundsatz ist die Abkehr von jeglichem Materialismus, das heißt, der weitgehende Verzicht auf persönlichen Besitz. Der hierzulande bekannteste Anhänger des Jainismus ist der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Die Vereinbarung des Glaubens und seiner Stellung schafft er wahrscheinlich nur mit der Botschaft der Jainas: Leben und Leben lassen. Was immer man tut, man muss dabei gut sein und den anderen dienen. Die vorbeiziehende Landschaft ändert sich langsam, wir verlassen die karge Wüste und kommen ins Tal des Aravalligebirges. Die Straße führt an einem mehr oder weniger ausgetrocknetem Flussbett entlang. Alte, kräftige Bäume mit weiten Kronen aus dunkelgrünem Laub prägen die Landschaft genauso wie die kleinen bewirtschafteten Felder von Hirse, Gerste, Hafer und Weizen. Gegen Mittag erreichen wir den vielleicht schönsten und bedeutensten Jaintempel von Indien. Vormittags ist die Anlage nur für praktizierenden Jainisten zugänglich, für Besucher ist der Zutritt erst ab 12:00 Uhr erlaubt. Am Parkplatz erwartet uns eine Gruppe Hanuman-Languren, die zunächst noch neugierig in ihrem Kletterbaum verharren. Der Haupttempel der Anlage aus unzähligen Säulengängen und Kuppeldächern ist kunstvoll aus weißem Marmor gebaut und reich verziert. Im Inneren des Tempels

Am nächsten Tag werden wir durch rhythmisches, lautes Klopfen geweckt. Am Seeufer gegenüber haben sich mehrere Frauen auf den Treppen am Wasser niedergelassen. Sie waschen Wäsche, indem sie die eingeseiften Wäschestücke auf die Steine schlagen und mit einem rudergleichen Holzprügel darauf rumklopfen. Nach dem Frühstück laufen wir über die Fußgängerbrücke in die Altstadt. Auf der Brücke haben sich Hilfsbedürftige niedergelassen und hoffen auf ein paar Rupien. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern säubert einen Säugling, der nackt auf einem schmutzigen Handtuch liegt, alle sehen verwahrlost aus. Im Abstand zu ihr bettelt ein alter, weiß gekleideter Mann mit Krücken, man sieht Wunden an seinen Beinen. Und die Reihe setzt sich fort bis zum Ende der Brücke. Der Aufgang zum Palast auf der Hauptstraße bietet das nun schon gewohnte Bild an indischem Chaos. Am Stadtpalast wartet eine Schulklasse und zahlreiche Touristen auf Eintritt, der ab 10:00 Uhr erheblich ermäßigt wird. Es wird viel fotografiert. Wir sind bei den Indern ebenso begehrte Motive wie Sie für uns. Insbesondere die Kinder werden gerne fotografiert. Was diese wohl denken, wenn mehrere Objektive stattlicher Größe nah auf sie gerichtet sind? Der Stadtpalast ist auf einer Anhöhe über der Stadt erbaut. Er dominiert das Stadtbild. Ein großer, gepflegter Innenhof mit Wasserspielen, kleinen Souvenirgeschäften und einem Kaffee-Restaurant führt zum Eingangstor des Palastes. Wir sind relativ schnell fertig mit unserem Rundgang, die wiederholte Pracht der Paläste ist nicht mehr so spannend wie beim ersten Anblick. Am Nachmittag besuchen wir einen Kochkurs in Sushma's Cooking Classes. Gemeinsam mit einem jungen Engländer und einem irischen Paar lernen wir die Zubereitung typisch indischer Speisen und die Handhabung der Gewürze. Zusammen mit der charmanten Lehrerin Sushma bereiten wir in ihrer Lehrküche im Hotel Krishna Niwas mehrere vegetarischen Speisen zu, die am Abend gemeinsam verzehrt werden. Wir sind total überzeugt, dass uns das nun auch zu Hause gelingen wird.
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