Transatlantik
Halifax
In der Hafeneinfahrt von Halifax sind zahlreiche Segler unterwegs. Sie bilden das Spalier für zwei stattliche Kreuzfahrtschiffe
die den Hafen verlassen, bevor wir einfahren können.
Unser Liegeplatz ist neben dem legendären Pier 21. Anfang des 20. Jahrhunderts war das ein Passagierterminal für transatlantische
Linienschiffe und für mehr als eine Million Einwanderer und Flüchtlinge das Eingangstor nach Kanada. Heute ist es das Museum
für Einwanderung. Sobald unser Schiff angelegt hat gehen wir an Land. Die Einreisekontrolle ist leger.
Dann stehen wir vor dem Terminal und schnuppern auf dem Harbourwalk den
Flair der Stadt. Der Uferweg ist kilometerlang aus Holzbohlen gezimmert und führt durch gepflegte Parkanlagen, vorbei am
Maritimen Museum und den Geschäften in Bishops Landing zu zahlreichen Restaurants in der historischen Altstadt.
Aus einem Gastraum ertönt Live Musik, man spielt irische Folklore bei Bier und Kerzenschein.
Am nächsten Morgen ziehen wir nach dem Frühstück los, die Stadt bei Tageslicht zu erkunden. Am Eingang zum Harbourwalk steht ein
übergroßes Denkmal des kanadischen Geschäftsmannes Samuel Cunard. Die Stadt verdankt ihm Entwicklung und Wohlstand.
Im Jahr 1839 gründete Gunard eine
Reederei unter dem Namen Cunard Line. Diese hatte von der britischen Admiralität den Auftrag zur Postbeförderung nach Übersee erhalten.
Cunard verpflichtete sich zu regelmäßigen Fahrten zwischen Liverpool und Halifax. Er läutete damit den Beginn der weltweiten Passagier-
und Frachtschifffahrt ein.

Wir verlassen den Harbourwalk und laufen bergan in die Innenstadt. Am Ende der Straße zeigt sich ein
großangelegter Hügel mit gepflegten Rasenflächen. Inmitten des Hügels wurde hier 1750 eine Festung zum Schutz gegen mögliche Angriffe
aus Amerika errichtet. Inzwischen ist es Mittag geworden. Der Weg wird uns versperrt und wir werden aufgefordert, unsere Ohren zu
schützen. Pünktlich "high noon" wird täglich am Uhrenturm die Mittagskanone gezündet und ein lauter Knall schallt samt Echo über die Stadt
und die Hafenbucht. Danach zelebrieren Studenten in Kostümen aus viktorianischer Zeit eine Wachablösung. Wir verlassen die Szene und
schlendern durch den Public Garden, einem großen gepflegten Park inmitten der Stadt. Auf dem Weg zurück zur Uferpromenade entdecken wir
die Dresden Row und nach einer kurzen Erfrischung besuchen wir das Maritime Museum. Ein Thema der Ausstellung widmet sich
dem Untergang der Titanic und den Rettungs-maßnahmen. Das Cunard-Schiff Carpathia war unterwegs nach Europa, als die Notrufsignale der
Titanic über Funk empfangen wurden. Das Schiff konnte 705 Überlebende der Katastrophe retten. Von Halifax starteten auch die Aktionen
zur Bergung der Opfer. Nach dem Museumsbesuch sind wir etwas müde und gehen voller Eindrücke zurück auf das Schiff.
Bis zum Ablegen dauert es noch etwa eine Stunde, dann heißt es Leinen los. Auf Wiedersehen Kanada - noch 605 Seemeilen bis New York.

New York
Bei der Überfahrt von Kanada nach Amerika ist das Meer sehr ruhig und zeitweise spiegelglatt. Erstmalig haben wir auf dem weiten Ozean
eine Gruppe von Delphinen gesehen, die unser Schiff im Abstand begleitete. Am Abend des letzten Seetages wird die Farewell-Party
bis Mitternacht gefeiert. Ich(Eva) habe die Nacht voller Erwartungsfreude am Bug des Schiffes auf einem Liegestuhl mit Decken verbracht.
Es war sehr mild. Der Himmel hat so viele Sterne gezeigt. Nach 2 Uhr zeichneten die Lichter der entfernten Metropole eine helle
Flammenlinie am Horizont. Nach 4 Uhr kamen weitere Gäste zum Bug, der sich dann schnell füllte. Alle haben auf den Sonnenaufgang gewartet.
In der Morgendämmerung sind wir unter der Verrazano-Narrows Bridge in den Hudsonriver eingelaufen. Mit langsamer Fahrt fahren wir steuerbord
an Brooklyn vorbei, backbord nähern wir uns Liberty Island mit der Freiheitstatue. Weiter kommen wir vorbei an Ellis Island zur Südspitze
von Manhattan mit den Hochhäusern des Financial Districts. Das im Bau befindliche One World Trade Centre wird in den Farben der USA Flagge
angestrahlt. Endlich geht die Sonne auf und leise ertönt Musik. Sinatra's "New York, New York" unterstreicht die Emotion der Szenerie.
Das Schiff legt am Pier 88 in Höhe der 48th Straße im Stadtteil Hell’s Kitchen an. Beim Landgang laufen wir wenige Schritte stadteinwärts und
befinden uns inmitten des bunten und quirligen Treibens am Time Square.

In rasanter Abfolge wechseln die Bilder der zahllosen Lichtreklamen. Laut und schrill pulsiert hier das Leben. Wir laufen downtown zum Bryant Park,
eine der wenigen grünen Lungen der Stadt. Dann endlich "See me walking down Fifth Avenue" (Sting)- was für ein Hochgefühl. Wir stehen vor dem
Empire State Building. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein gut besuchter MacDonald und wir essen in typisch amerikanischer Manier eine Kleinigkeit. Die Eingangshalle des Empire
State ist in dunkelrotem Marmor ausgekleidet. In einer oberen Etage sind die weltweit bekannten Bilder der Bauarbeiter auf Stahlträgern in
luftiger Höhe ausgestellt. In der 86. Etage betreten wir die Aussichtsplattform. Wie eine grandiose Komposition aus Beton und
Glas liegt Manhattan unter uns, eingebettet in das Blau des Meeres und des Himmels. Der riesige Central Park im Norden mischt noch ein wenig Grün
in das Bild. Wir sind stark beeindruckt. Zurück auf der Fifth Avenue laufen wir weiter bis zur Kreuzung mit dem Broadway. Hier steht das Flatiron Building.
Im Madison Square Garden ruhen wir uns etwas aus. Hier tummeln sich zahlreich Eichhörnchen, die den Besuchern Erdnüsse aus der Hand fressen.
Sie müssen sehr schnell sein, denn Tauben machen ihnen jeden Happen streitig. Am späten Nachmittag gehen wir zurück an Bord unseres Schiffs.
Wir müssen Koffer packen, am nächsten Tag fliegen wir am Abend nach Hause.

Als Tagesausflug haben wir die große Stadtrundfahrt gebucht. Früh um 8 Uhr gehen wir mit unserem Gepäck von Bord zum Bus. Die Fahrt beginnt
am Central Park. Hier stehen die teuersten Häuser,
rundum wohnt Prominenz - Barbara Streisand, Madonna, Dustin Hoffman, Robert Redford und noch viele Namen sind gefallen. Die Fahrt führt
weiter zum Rockefeller Center. Auch hier fahren wir zum Aussichtsturm auf und genießen wieder den Blick aus der Vogelperspektive.
Wir hören, dass im Winter hier der berühmte Weihnachtsbaum aufgestellt und der Brunnen zur Eisbahn wird. Anschließend bringt uns der Bus
nach SoHo und Greenwich Village. Wir laufen durch das Künstler- und Szeneviertel mit vielen Cafés, Bars, Restaurants und experimentellen Theatern
und sehen in der Bedford Street fast winzig das schmalste Haus der Stadt. Weiter geht die Fahrt zur Südspitze Manhattans.
Vom imposanten Wintergarten des World Financial Centers können wir einen Blick auf die 9/11 Gedenkstätte werfen. Die Wunde der Stadt ist hier
echt zu spüren. Wir schauen in eine Großbaustelle. Exakt an den Grundrissen der zerstörten Zwillingstürme befinden sich jetzt große Becken,
in denen Wasser fließt. Um die Becken herum wurde ein Park mit Bäumen angelegt. Die Gedenkstätte wurde 2011 in Teilen eröffnet.
Der Besucherandrang ist so groß, dass man einen Besuch zwei Tage im Voraus anmelden muss. Wir haben ein wenig Freizeit und laufen zur Wall Street,
um einmal vor der New York Stock Exchange zu stehen. Zum Abschluss der Stadtrundfahrt bekommen wir am South Street Seaport einen grandiosen Blick
auf die Brooklyn Bridge. Dann geht es im längsten Stau der Welt zum John F. Kennedy International Airport.

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